Dienstag, 22. Januar 2013

Der Islam





„Im Namen Allahs, des Gnädigen, des Barmherzigen.“ Dieser Satz ist aus dem Qur´an. Weiter heißt es darin: „Aller Preis gehört Allah, dem Herrn der Welten, dem Gnädigen, dem Barmherzigen, dem Meister des Gerichtstages. Dir allein dienen wir, und zu Dir allein flehen wir um Hilfe. Führe uns auf den geraden Weg, den Weg derer, denen Du Gnade erwiesen hast, die nicht (Dein) Mißfallen erregt haben und die nicht irregegangen sind“ (Der Qur´an, Sure 1:1-7).

Diese Worte bilden Al-Fatiha („Die Öffnende“), das erste Kapitel oder die erste Sure des heiligen Buches der Muslime, des Heiligen Qur´an oder Korans. Da mehr als einer von sechs Erdbewohnern ein Muslim ist und fromme Muslime diese Verse mehr als einmal in jedem ihrer fünf täglichen Gebete wiederholen, müssen sie zu den am häufigsten gesprochenen Worten auf der Erde zählen.

Gemäß der Statistik gibt es auf der Welt mehr als 1.5 Milliarden  Muslime. Der Islam ist die am schnellsten wachsende Weltreligion, er breitet sich sowohl in Afrika als auch in der westlichen Welt aus.

Die Bezeichnung Islam ist für den Muslim wichtig, bedeutet sie doch „Unterwerfung“, „Hingabe“ oder „Übergabe“ (an Allah) und drückt, wie ein Historiker schreibt, „die innerste Einstellung derjenigen aus . . ., die dem Predigen Muhammads Gehör schenkten“. „Muslim“ bedeutet „den Islam Ausübender“.

Muhammad (sav) Berufung

Muhammad (sav) wurde ca. 570 u. Z. in Mekka (arabisch: Makkah) (Saudi-Arabien) geboren. Sein Vater, Abd Allah, starb, ehe 
Muhammad geboren wurde. Seine Mutter Amina starb, als er etwa 6 Jahre alt war. Zu jener Zeit verehrten die Araber Allah. Die zentrale Kultstätte lag im Mekkatal und wurde Kaaba genannt. In dem einfachen würfelförmigen Bauwerk wurde ein schwarzer Meteorit verehrt. Nach einer islamischen Legende „wurde die Kaaba ursprünglich von Adam nach einem himmlischen Prototyp errichtet und nach der Sintflut von Abraham und Ismael wieder erbaut“ (Philip K. Hitti, History of the Arabs). Es wurde ein Heiligtum für 360 Götzenbilder, eines für jeden Tag des Mondjahres.

Als Muhammad größer wurde, begann er die religiösen Gebräuche seiner Zeit in Frage zu stellen. John Noss schreibt in seinem Buch Man’s Religions: „[Muhammad] war durch die andauernden Streitereien, bei denen es ausschließlich um die Religion und die Ehre der Koraisch-Stammesführer [Muhammad gehörte diesem Stamm an] ging, beunruhigt. Noch unzufriedener war er mit den primitiven Überbleibseln der arabischen Religion, dem götzendienerischen Polytheismus und dem Animismus, der Sittenlosigkeit bei religiösen Feiern und bei Märkten, dem üblichen Trinken, Spielen und Tanzen und dem Begraben lebender Säuglinge — unerwünschter Mädchen —, was nicht nur in Mekka, sondern in ganz Arabien praktiziert wurde“ (Sure 6:138,).

Muhammad fühlte sich zum Propheten berufen, als er etwa 40 Jahre alt war. Er hatte die Gewohnheit, allein eine Höhle auf dem nahe gelegenen Berg Hira aufzusuchen, um zu meditieren. Er behauptete, dass er bei einer dieser Gelegenheiten zum Propheten berufen worden sei. Nach muslimischer Tradition gebot ihm ein Engel — später als Gabriel identifiziert —, während er dort war, im Namen Allahs zu rezitieren. Muhammad reagierte nicht, worauf der Engel ihn packte und ihn so stark drückte, dass er es kaum aushielt. Dann wiederholte der Engel den Befehl. Und wiederum reagierte Muhammad nicht, worauf der Engel ihn wiederum würgte. Das geschah dreimal, ehe Muhammad zu rezitieren begann, was später als die erste einer Reihe von Offenbarungen betrachtet wurde, die den Qur´ an bilden. Gemäß einer anderen Überlieferung wurden 
Muhammad die göttlichen Eingebungen wie das Geläute einer Glocke geoffenbart (übersetzt aus dem Sahih von Al Buchari).

Die Offenbarung des Qur´an

Welches soll die erste Offenbarung gewesen sein, die Muhammad erhielt? Die islamischen Autoritäten stimmen im allgemeinen darin überein, dass es die ersten 6 Verse der 96. Sure sind, überschrieben Al-´Alaq, „Das geronnene Blut“. Sie lauten:

„Im Namen Allahs, des Gnädigen, des Barmherzigen.
Lies im Namen deines Herrn, Der erschuf,
Erschuf den Menschen aus einem Klumpen Blut.
Lies! denn dein Herr ist der Allgütige,
Der (den Menschen) lehrte durch die Feder,
Den Menschen lehrte, was er nicht wußte“.


Gemäß einer arabischen Quelle antwortete Muhammad: „Ich kann nicht lesen.“ Daher mußte er sich die Offenbarungen einprägen, damit er sie wiederholen und rezitieren konnte. Die Araber hatten ein ausgezeichnetes Gedächtnis, und Muhammad war keine Ausnahme. Wie lange dauerte es, bis er die vollständige Botschaft des Qur´ an empfangen hatte? Man nimmt an, dass er die Offenbarungen im Laufe von 20 bis 23 Jahren erhielt, von ca. 610 u. Z. bis zu seinem Tod im Jahre 632 u. Z.

Nach muslimischen Quellen rezitierte Muhammad jede Offenbarung sofort, nachdem er sie empfangen hatte, denen, die zufällig in seiner Nähe waren. Diese prägten sie sich ein und rezitierten sie, um sie in Erinnerung zu behalten. Da den Arabern die Papierherstellung unbekannt war, ließ Muhammad die Offenbarungen von Schreibern auf damals erhältliches Material schreiben, zum Beispiel auf Schulterknochen von Kamelen, auf Palmblätter, auf Holz oder auf Pergament. Aber erst nach dem Tod des Propheten erhielt der Qur´an seine jetzige Form, und zwar unter der Leitung der Nachfolger und Gefährten Muhammads. Das geschah während der Herrschaft der ersten drei Kalifen oder muslimischen Oberhäupter.

Der Übersetzer M. Pickthall schreibt: „Alle Suren des Qur´ an hatte man schon vor dem Tod des Propheten schriftlich festgehalten, und viele Muslime konnten den ganzen Qur´ an auswendig. Aber die niedergeschriebenen Suren waren unter dem Volk zerstreut; und als . . . viele von denen, die den ganzen Qur´ an auswendig konnten, in einer Schlacht getötet wurden, sammelte man den ganzen Qur´ an und schrieb ihn nieder.“

Das Leben eines Muslims wird von drei maßgeblichen Werken geregelt: dem Qur´an, dem Hadith und der Scharia. Die Muslime glauben, daß der Qur´an in arabischer Sprache die reinste Form der Offenbarung sei, denn diese Sprache habe Gott gebraucht, als er durch Gabriel gesprochen habe. Die Sure 43:1, 2 lautet: „Bei dem deutlichen Buch, siehe, wir machten es zu einem arabischen Koran, auf daß ihr vielleicht begriffet“. Jede Übersetzung gilt demnach nur als eine Verwässerung, die der Reinheit ermangelt. Es gibt sogar islamische Gelehrte, die es ablehnen, den Qur´ an zu übersetzen. Ihr Standpunkt ist: „Übersetzen bedeutet immer verraten“, und deswegen haben „die Muslime jeden Versuch, ihn in eine andere Sprache zu übersetzen, verachtet und gelegentlich sogar verboten“, schreibt Dr. J. A. Williams, Lehrbeauftragter für islamische Geschichte.

Ausbreitung des Islams

Muhammad hatte bei der Stiftung seines neuen Glaubens große Schwierigkeiten zu überwinden. Die Bevölkerung Mekkas, selbst sein eigener Stamm, lehnte ihn ab. Nach 13 Jahren, in denen er verfolgt und gehasst wurde, verlegte er das Zentrum seiner Tätigkeit nach Jathrib im Norden, das dann als al-Mad inah (Medina) bekannt wurde, die Stadt des Propheten. Diese Auswanderung oder Hedschra im Jahre 622 u. Z. war ein bedeutsamer Meilenstein in der islamischen Geschichte, und das Datum wurde später als der Beginn der islamischen Zeitrechnung genommen.

Schließlich konnte Muhammad im Januar des Jahres 630 u. Z. fast kampflos in die Stadt Mekka einziehen, und er wurde ihr Herrscher. Da er nun die weltliche und geistliche Macht ausübte, konnte er die Kaaba von den Götzenbildern säubern und sie zur zentralen Kultstätte der Mekka pilgerfahrt machen, die noch heute ausgeführt wird.

Schon wenige Jahrzehnte nach Muhammads Tod im Jahre 632 u. Z. hatte sich der Islam bis nach Afghanistan und bis nach Tunesien in Nordafrika ausgebreitet. Im frühen 8. Jahrhundert war der Glaube des Qur´ an bis nach Spanien und bis an die französische Grenze vorgedrungen. Professor Ninian Smart schrieb in seinem Buch Background to the Long Search: „Vom menschlichen Standpunkt aus betrachtet, ist die Leistung eines arabischen Propheten des 6. und 7. Jahrhunderts nach Christus überwältigend. Menschlich gesehen, brachte er eine neue Kultur hervor. Für den Muslim war es natürlich ein göttliches Werk und Allahs Vollbringen.“

Die drei größten monotheistischen Religionen der Welt sind das Judentum, das Christentum und der Islam. Als Muhammad zu Anfang des 7. Jahrhunderts u. Z. erschien, waren die beiden ersten Religionen nach seiner Meinung vom Weg der Wahrheit abgewichen. Nach einigen islamischen Kommentatoren deutet der Qur´an an, dass die Juden und die Christen verworfen sind, indem er sagt: „. . . nicht derer, denen du zürnst, und nicht der Irrenden“ (Sure 1:7,). Warum ist das so?

In einem Kommentar zum Qur´ an heißt es: „Das Volk der Schrift ging in die Irre: Die Juden brachen ihren Bund und verleumdeten Maria und Jesus . . ., und die Christen erhoben Jesus, den Apostel, auf eine Stufe mit Gott“ durch die Trinitätslehre (Sure 4:153-176, The Holy Qur-an, Abdullah Yusuf Ali ).

Die Hauptlehre des Islams ist — ganz einfach ausgedrückt — als Schahada oder Glaubensbekenntnis bekannt, das jeder Muslim auswendig kann: „La ilaha illallah; Muhammad rasul Allah“ (Es gibt kein Gott außer Allah; Muhammad ist der Gesandte Allahs). Das stimmt mit dem Qur´ an-Text überein: „Euer Gott ist ein Einiger Gott; es ist kein Gott außer Ihm, dem Gnädigen, dem Barmherzigen“ (Sure 2:164, ). 

Über die Einzigartigkeit Gottes heißt es im Qur´ an: „Glaubet also an Allah und Seine Gesandten, und saget nicht: ‚Drei.‘ Lasset ab — ist besser für euch. Allah ist nur ein Einiger Gott“ (Sure 4:172,). Zu beachten ist indessen, dass das wahre Christentum keine Dreieinigkeit lehrt. Diese Lehre stammt aus dem Heidentum und wurde nach dem Tod Christi und der Apostel von abgefallenen Christen eingeführt.

Seele, Auferstehung, Paradies und Höllenfeuer

Der Islam lehrt, dass der Mensch eine Seele hat, die in einem Jenseits weiterlebt. Im Qur´ an wird gesagt: „Allah nimmt die Seelen (der Menschen) hin zur Zeit ihres Absterbens und (auch) derer, die nicht gestorben sind, während ihres Schlafs. Dann hält Er die zurück, über die Er den Tod verhängt hat“ (Sure 39:43, HA). Gleichzeitig spricht Sure 75 nur von der „Qiyamah“ (HA) oder der „Auferstehung“ (MH). Sie lautet auszugsweise: „Ich rufe zum Zeugen den Tag der Auferstehung . . . Wähnt der Mensch, daß Wir seine Gebeine nicht sammeln werden? . . . Er fragt: ‚Wann wird der Tag der Auferstehung sein?‘ . . . Und da sollte Er [Allah] nicht imstande sein, die Toten ins Leben zu rufen?“ (Sure 75:2, 4, 7, 41).

Nach dem Qur´ an kann die Seele verschiedene Geschicke haben: Sie kann entweder in einen himmlischen Paradiesesgarten oder zur Strafe in eine Feuerhölle kommen. Im Qur´ an heißt es: „Sie fragen: ‚Wann wird der Tag des Gerichtes sein?‘ Es wird der Tag sein, an dem sie im Feuer gepeinigt werden. ‚Kostet nun eure Pein. Das ist’s, was ihr zu beschleunigen wünschtet‘ “ (Sure 51:13-15,). „Für sie [die Sünder] ist eine Strafe im Leben hienieden; und die Strafe des Jenseits ist gewiß härter, und sie werden keinen Beschützer haben vor Allah“ (Sure 13:35,). Die Frage wird aufgeworfen: „Und was lehrt dich wissen, was das ist? — Ein rasendes Feuer“ (Sure 101:11, 12,). Dieses schreckliche Geschick wird eingehend beschrieben: „Die Unseren Zeichen Glauben versagen, die werden Wir bald ins Feuer stoßen. Sooft ihre Haut verbrannt ist, geben Wir ihnen eine andere Haut, damit sie die Strafe auskosten. Wahrlich, Allah ist allmächtig, allweise“ (Sure 4:57,). Eine andere Beschreibung der Hölle lautet: „Wahrlich, die Hölle ist ein Hinterhalt . . . die auf endlose Zeit darin bleiben müssen. Sie werden dort weder Erquickung noch Getränk kosten, es sei denn siedendes Wasser und stinkende Flüssigkeit“ (Sure 78:22, 24-26,).

Die Muslime glauben, dass das Leben mit dem Tod nicht aufhört. Die Seele des Toten geht hinter den barzakh oder die „Schranke“, an den „Ort oder in den Zustand, in dem die Menschen nach dem Tod und vor dem Gericht sein werden“ (Sure 23:99, 100). Dort ist die Seele bei Bewusstsein, und wenn der Mensch böse gewesen ist, erlebt er, was die „Züchtigung des Grabes“ genannt wird, oder wenn er gläubig gewesen ist, ist er dort glücklich. Die Gläubigen erleiden jedoch auch eine gewisse Qual, weil sie im Leben ein wenig gesündigt haben. Am Gerichtstag wird das ewige Schicksal eines jeden entschieden, womit dieser Zwischenzustand enden wird.

Dagegen werden den Gerechten himmlische Paradiesesgärten verheißen: „Die aber glauben und gute Werke tun, die wollen Wir in Gärten führen, durch die Ströme fließen, darin sie ewig weilen und immerdar“ (Sure 4:58,). „Siehe, des Paradieses Bewohner werden sich in Geschäften ergötzen, sie und ihre Gattinnen, in Schatten auf Ruhebetten sich lehnend“ (Sure 36:55, 56,). 

Der Islam und das tägliche Leben

Im Islam gibt es fünf Hauptpflichten und fünf grundlegende Glaubenssätze. Eine dieser Pflichten besteht darin, dass der fromme Muslim täglich fünfmal gegen Mekka hin betet (Salat). Am muslimischen Sabbat (Freitag) gehen die Männer zum Gebet in die Moschee, sobald sie den mahnenden Ruf des Muezzins vom Minarett der Moschee hören.



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